Was ist CRPS (Complex regional pain syndrome – komplexes regionales Schmerzsyndrom)?

Was ist CRPS (Complex regional pain syndrome – komplexes regionales Schmerzsyndrom)?

Dieser Beitrag soll allen Betroffenen verständliche Informationen zum Thema CRPS geben.
Ein CRPS ist eine seltene aber erstzunehmende Schmerzkrankheit.

Es sind immer Gelenke von CRPS betroffen. In den meisten Fällen Hand oder Fuß, seltener Schulter oder Knie und in den seltensten Fällen eine Hüfte.

Es ist erwiesen, dass ein CRPS sich durch Schmerzen immer mehr verschlimmert. Daher ist eine Behandlung durch einen erfahrenen Schmerztherapeuten dringend zu empfehlen.

Außerdem sollte man keine Operationen, wie z. B. Denervierungen oder Versteifungen, Verlängerungen bzw. Verkürzungen der Sehnen oder Versteifungen an dem betroffenen Körperteil durchführen lassen.

Auch einfache medizinische Dinge wie Blut abnehmen, Blutdruck messen etc. sollten an der erkrankten Seite nicht mehr vorgenommen werden.

Das CRPS schlägt danach gnadenlos zurück!

Bereits während des amerikanischen Bürgerkriegs wurde CRPS 1864 bei Soldaten festgestellt, welche sich Schussverletzungen zugezogen hatten.

Der Hamburger Chirurg Paul H. Sudeck (1866 – 1945) beschäftigte sich um ca. 1900 intensiv mit dieser Krankheit. Nach ihm wurde die Krankheit „Sudeck“ genannt. Das Wort „Morbus“ ist lateinisch und bedeutet nichts Anderes als Krankheit.

Sudeck nannte die Erkrankung eine „entgleiste Heilentzündung“ und beschrieb die Ähnlichkeit zwischen den Symptomen einer Entzündung und denen des Sudeck-Syndroms.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstand eine Vielzahl von Begriffen für dieses Krankheitsbild. Um eine Vereinheitlichung zu erlangen, wurde 1993, im Rahmen einer Konferenz der „International Association for the Study of Pain (IASP)“, die Bezeichnung CRPS eingeführt.

Wann tritt CRPS auf?

CRPS ist eine recht individuelle Krankheit, die bei jedem Betroffenen anders auftritt.

Bis heute ist die genaue Ursache für ein CRPS nicht bekannt.

Ein CRPS ist recht selten, kann aber theoretisch nach jedem Unfall oder einer Operation auftreten. Das Risiko, an einem CRPS zu erkranken wird auf 0,05% bis 5% geschätzt. Davon betroffen sind Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Frauen sollen häufiger betroffen sein als Männer, was allerdings darin liegen mag, dass es mehr Frauen als Männer gibt. Bei Kindern entsteht extrem selten CRPS.

Dabei kommt es nicht auf die Schwere der Verletzung an, ob ein CRPS auftritt oder nicht. Bereits kleine Bagatellverletzungen können einen CRPS auslösen.

Daher nimmt der größte Teil der Ärzteschaft seit einigen Jahren an, dass die Ursache ein überschießender Reflexmechanismus des Nervensystems ist.

„Ein Teil der Ärzteschaft geht (immer noch) davon aus, dass sich der Morbus Sudeck-Patient, wie der chronische Schmerzkranke, durch eine spezielle Biographie eine gewisse Bereitschaft oder Veranlagung für diese Krankheit erworben hat.
Sie nehmen an, dass Morbus Sudeck-Patienten in der Kindheit und Jugend emotionale Vernachlässigung und frühe Leistungsanforderungen erlebten und dadurch eine ängstlich-depressive Grundpersönlichkeit entwickelten.
Wenn dann die körperliche Verletzung in einer Lebenssituation erfolgt, die emotional und/oder sozial belastend ist (z.B. Probleme in der Familie, am Arbeitsplatz), kann sich durch die erworbene vegetative Überreaktionsbereitschaft ein Sudeck entwickeln.“ (Quelle: www.morbus-sudeck.ch)

Studien haben ergeben:

CRPS tritt zu 50% nach Knochenbrüchen, Verstauchungen, Zerrungen, Quetschungen und nach Operationen
zu 25 % ohne erkenntlichen Auslöser

zu 20% nach Schilddrüsenüberfunktion, Herzinfarkt, Herzkranzerkrankungen und Nervenerkrankungen

zu 5 % nach Medikamenteneinnahme (z. B. Schlafmittel) auf.

Welche Symptome hat CRPS?

Eine Verallgemeinerung für die Krankheitszeichen gibt es nicht. Es handelt sich um ein sehr verschiedenartiges Krankheitsbild mit unterschiedlicher Ausprägung verschiedener Symptome.

Die Häufigkeit einzelner Symptome untersuchten 1997 Laan und Goris:

1. „Entzündungssymptomatik:
· brennender, tiefer Schmerz 92%,
· unterschiedliche Hauttemperatur 98%,
· Bewegungseinschränkung 90%,
· belastungsabhängige Beschwerden 98%

2. Gewebeabnahme:
· Haut 38%
· Nägel 15%
· Muskeln 40%

3. Neurologische Symptome:
· Mindergefühl der Haut 69%
· schmerzhafte Berührungsempfindlichkeit 75%
· Koordinationsstörungen 53%
· Zittern 54%
· unwillkürliche Bewegungen 19%
· Muskelkrämpfe 11%
· Lähmungen 98%

4. Symphatische Symptome:
· übermäßiges Schwitzen 57%“
(Laan van der L., Goris R.J.A.: Sudeck-Syndrom. Hatte Sudeck recht? Unfallchirurg 100: 90-99. 1997)
Wie bei jeder anderen Krankheit, spielt auch bei CRPS die Psyche eine große Rolle. Nur, solange die körperlichen Ursachen nicht geklärt sind, besteht die Gefahr, dass CRPS-Patienten von einigen Ärzten mit ihren körperlichen Beschwerden nicht ernst genommen werden und auf die psychische Schiene geschoben werden, da diese Ärzte mit ihrem Latein, im wahrsten Sinnes des Wortes, am Ende sind. In diesem Fall sollte man sich sofort einen neuen Arzt suchen, der sich mit CRPS wirklich auskennt.

Wie wird CRPS diagnostiziert?

CRPS kann über keinen Labortest diagnostiziert werden. Der Arzt diagnostiziert ein CRPS hauptsächlich auf Grund der Krankengeschichte und der körperlichen Befunde.
Hierfür werden folgende Techniken eingesetzt:
■ Röntgen, Computertomographie, Magnetresonanz: Hiermit können CRPS-spezifische Knochenentkalkungen aufgezeigt werden
■ Schweißsekretionsmessung
■ Thermomessungen: Messung der Wärmeabgabe von der Körperoberfläche
■ 3-Phasenszintigrafie: Spezielle nuklearmedizinische Untersuchung
■ Sympathikusblockaden: Hiermit wird versucht, mittels Anästhesie die Sympathikusaktivität zu dämpfen; dies ergibt diagnostische Informationen und hat auch eine therapeutische Wirkung, sofern der CRPS sympathikus-abhängig ist.
■ (der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems.)

Aber Vorsicht: Schmerzen und Schwellungen an den Gliedmassen können auch von anderen Erkrankungen verursacht werden. Daher ist es wichtig, dass diese vor der Diagnose CRPS ausgeschlossen werden (z.B. Beinvenenthrombosen, Lymphödeme bei Flüssigkeitsansammlungen und Störungen im Lymphsystem, Lymphknotenbefall bei Brustkrebs etc.).

Man unterscheidet grundsätzlich 3 Stadien der Erkrankung:

Stadium I: Entzündung mit Schwellung, Überwärmung, Rötung
Dieses Stadium beginnt in der Regel etwa 1 bis 7 Wochen nach dem Auslöser.
Der Patient empfindet an dem betroffenen Körperteil meist zunächst einen brennenden, sehr starken Schmerz. Dieser Schmerz wird sowohl durch aktive, als auch passive Bewegen verstärkt.

Zudem empfinden die Patienten bei den geringsten Berührungen bereits einen Schmerz.

Der betroffene Körperteil ist häufig stark geschwollen und gerötet.

Der Harrwuchs an den betroffenen Körperteilen kann sich vermehren und das Nagelwachstum zeigt sich verstärkt.

Es kann zu vermehrtem Schwitzen kommen.

Obwohl das vom CRPS betroffene Gelenk entzündet wirkt, lässt sich weder im Blut eine Entzündung nachweisen und der Betroffene hat auch kein Fieber.

Nach einigen Wochen ist in manchen Fällen im Röntgenbild eine beginnende gelenknahe Entkalkung nachweisbar. In manchen Fällen ist diese jedoch auch nach Monaten nicht sichtbar.

Die Diagnose beruht auf den Untersuchungsbefunden. Unterstützend werden Röntgenbilder, Thermographien und die 3 – Phasen – Knochenszintigraphie (gesteigerter Knochenstoffwechsel) herangezogen.

Stadium II: Durchblutungs-/Ernährungsstörung mit Abkühlung
Dieses Stadium wird auch „kalte Phase“ genannt. Die Schwellung bildet sich meist zurück und der betroffene Körperteil wird kalt.

In dieser Phase wird die Haut meist glänzend, violett verfärbt und gefleckt.

In manchen Fällen lassen die Schmerzen leicht nachlassen, können aber auch unverändert stark bleiben.

In der Regel ist die Gelenkigkeit eingeschränkt und verschlechtert sich. Sehnen, und Muskeln verlieren an Elastizität.

Im Röntgenbild sind nun häufig deutlich herdförmige Entkalkungen sichtbar, jedoch nicht immer.

Hier sollten dann zusätzlich MRT und CT-Aufnahmen gemacht werden.

Stadium III: Gewebeschwund (Atrophie)
In diesem Stadium ist im Röntgenbild eine hochgradige, teilweise fleckige Osteoporose sichtbar.

In diesem Stadium versteift das Gelenk. Haut, Sehnen und Muskeln schrumpfen und die Haut ist kalt und bläulich verfärbt.

Die Schmerzen bilden sich in der Regel zurück.

Ein CRPS in diesem Stadium kann nicht mehr völlig geheilt werden.

Da die Symptome des CRPS jedoch häufig zwischen den einzelnen Stadien wechseln, entfernt man sich von diesen strengen Einteilungen zunehmend.

Wie wird CRPS behandelt?

Eine allgemein gültige Behandlungsweise für CRPS gibt es nicht. Die Therapie muss an das jeweilige Stadium der Erkrankung und der Verträglichkeit des Patienten angepasst werden. Dem Patienten dürfen keine Schmerzen zugefügt werden.

Die Behandlung des CRPS erfordert viel Geduld sowohl des Patienten als auch der Ärzte und Therapeuten.

Das oberste Ziel der Behandlungen ist, die Erhaltung der normalen Benutzung des betroffenen Körperteils. Der Verlauf ist schwer beeinflussbar und kann sich über mehrere Monate oder sogar Jahre hinziehen. Die seelische Belastung durch die Schmerzen ist groß.

Daher müssen in den Behandlungen nicht nur die körperlichen sondern auch die psychischen Beschwerden mit einbezogen werden.

1) Medikamentöse Behandlung:

Den wichtigsten Teil der Behandlung von CRPS stellt die medikamentöse dar:

Diese Therapie gehört auf alle Fälle in die Hände von erfahrenen Schmerztherapeuten (Anästhesisten). Diese sollten im wechselseitigen Austausch mit Unfallchirurgen, Handchirurgen, Orthopäden und/oder Neurologen sowie den behandelnden Physiotherapeuten stehen.

In der Schmerztherapie wird die Schmerzart berücksichtigt.

Dabei kommen unter anderen folgende Wirkstoffe zum Einsatz:
■ Antirheumatika (bei Dauerschmerz mit Entzündung)
■ Antidepressiva (bei Dauerschmerz und Schlafstörungen)
■ Opioide, Opiate (bei sehr starken Schmerzen, bei Schmerzen, die durch Störungen des Sympathikus ausgelöst werden, bei Muskelkrämpfen)
■ Mittel zur Hemmung des Knochenabbaus (Calcitonin, Bisphosphonate)
■ Sympathikusblockade: damit wird versucht, mittels Anästhesie die Sympathikusaktivität zu dämpfen. Hieraus ergeben sich diagnostische Informationen. Gleichzeitig hat sie eine auch therapeutische Wirkung, sofern der M. Sudeck sympathikus-abhängig ist, da der Schmerz vollkommen genommen wird.
■ (der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems)
■ Elektrische Rückenmarksstimulation
■ Epidural-Anästhesie: Blockade der Nervenleitung im Rückenmark

2) Physio- und Ergotherapie

Hierbei ist die aktive Teilnahme des Patienten wichtig. Außerdem muss vor Beginn festgestellt werden, ob für den Betroffenen Wärme oder Kälte verträglicher ist.
■ Ergotherapie zur Erhaltung der Beweglichkeit
■ Herstellung und Anpassung von Schienen zur Ruhigstellung der Extremitäten, durch Ergotherapeuten
■ Hochlagern
■ Vorsichtige, aber aktive Krankengymnastik
■ Manuelle Lymphdrainage
■ Massagen, Bindegewebsmassagen
■ Mild Kühlen (keine Eispackungen), kühle Kohlensäurebäder
■ Elektrotherapie, TENS (transkutane elektrische Nervenstimulationstherapie: Hemmung der Schmerzleitung durch Nervenstimulation mittels Strom)
■ Erlernen von Entspannungstechniken

3) Psychotherapie

Psychologische Unterstützung des Papienten und ggf. dessen Angehörige

Auch die Komplementärmedizin kann zu Erfolgen führen. Folgende haben sich bei CRPS als hilfreich erwiesen:
■ Homöopathie
■ Akupunktur
■ Feldenkrais (spezielle Form der Bewegungstherapie)
■ Neuraltherapie
Diese können zusätzlich ausprobiert werden

Wie erkläre ich einem Außenstehenden, was CRPS ist?

Ein großes Problem bei der Erklärung von CRPS ist, dass man Schmerzen bekanntlich nicht sieht. Daher wird man schnell als Simulant hingestellt.

Auf die Frage, was hast Du, habe ich folgende Antwort parat: „Ich habe ein CRPS. Das ist eine Knochenerkrankung, bei der sich die Knochen ähnlich wie bei einer Osteoporose (im Volksmund Knochenschwund) entkalkt.“
Ich gehe zwar davon aus, dass die meisten auch nicht wissen, was eine Osteoporose genau ist, aber den Begriff haben sie vorher wenigstens schon mal gehört. (Derosa)

Oder: „Ich habe eine Erkrankung des vegetativen Nervensystems. Dadurch habe ich große Schmerzen in der Hand.“ Die meisten Leute geben sich damit zufrieden.“ (Netti)

Kann man CRPS vorbeugen?

Nein.
Da die körperlichen Ursachen nicht geklärt sind, gibt es keine Maßnahmen zur Vorbeugung von CRPS.

Fazit

Je früher ein CRPS erkannt und behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen! Deshalb sollte schon beim leisteten Verdacht so früh wie möglich ein erfahrener Arzt zu Rate gezogen und der Patient gut über diese Krankheit aufgeklärt werden.

(Quelle: derosa Unfallopferforum /Morbus Sudeck)

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